Wie führt man Fachdiskussionen? Traditionell waren hierfür Artikel in Fachzeitschriften oder Zeitungen von Bedeutung. Sind es heute Tweets und Blogbeiträge, die die Förderung der eigenen Karriere und Wahrnehmung übernommen haben? Oder ist das alles nur Zeit- und Energievergeudung, weil es am Ende tatsächlich auf andere Dinge ankommt?

Im Moment ist es so, dass man mit noch so vielen Blog-Beiträgen sich eine Dissertation nicht erspart. In Zukunft könnte das anders sein, so zumindest Dirk Naguschewski vom Berliner Zentrum für Literaturforschung. Blogs können eine wichtige Funktion übernehmen, wenn es darum geht, den Prozess der Forschung zu dokumentieren.

In der Literaturwissenschaft ist vorstellbar, dass ein Blog als öffentliches Skizzen- und Studienbuch dienen kann, das den Weg von der „Erstentdeckung einer Quelle über ihre editorische Erschließung bis hin zu ihrer interpretatorischen Auswertung nachvollziehbar macht“, so Kaspar Renner in der Süddeutschen Zeitung.

Während bei den Germanisten die Zeitschrift Merkur mittels Blog ihren Autorinnen und Autoren eine Plattform geschaffen hat, wo Gebiete erschlossen werden, die sich zwischen dem akademischen und literarischen Schreiben bewegen, wo universitär wenig beachtete Bereichen der Kultur- und Medientheorie Aufmerksamkeit geschenkt wird oder wo „mit dem Hammer philosophierend in den politischen Gegenwartsdiskurs“ eingegriffen wird. Ziel dieser Bemühungen, so der Herausgeber des Merkurs, Ekkehard Knörer, sei es, zeitungsförmige Lesegewohnheiten zu verändern und zum Beispiel durch Kommentare den öffentlichen Diskurs zu befördern.

Bei den Historikern, die etwas weiter zu sein scheinen, haben Blogs bereits eine anerkannte Relevanz. So eröffnet hypotheses.org schon seit vielen Jahre ein Angebot, das Blogs nach Sprachen und Fachgebieten geordnet hostet, übersichtlich zugänglich zu machen versucht und auf diese Weise in den wissenschaftlichen Diskurs einbezieht. Bei der genannten Plattform heißt es u.a. „Founded in 2009, Hypotheses now hosts several thousand blogs, produced by a vast community of bloggers from countries the world over. The platform receives over a million visits each month.“

Es ist also durchaus vorstellbar, dass es bei wissenschaftlichen Beiträgen auch anderer Disziplinen weniger auf die Art der Publikation ankommt – analog oder digital – als auf den Umstand, ob diese Publikation (wissenschaftlich) wahr- und ernstgenommen wird.

Wie verhält es sich aber mit Twitter? Sind früher 140 oder jetzt 280 Zeichen grundsätzlich ungeeignet für die Wissenschaften? Laufen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier eher Gefahr, sich durch die Trivialität ihrer Tweets lächerlich zu machen?

Maren Jäger hat über die „Literatur- und Wissenschaftsgeschichte kleiner Formen“ gearbeitet und stellt Twitter in einen Zusammenhang mit dem Prinzip „KISS“, einer Abkürzung für „Keep it short and simple“. Jäger leitet KISS aus dem Geist u.a. der antiken Philosophen Cicero und Quintilian ab, die ihr Ideal des „dilucida brevitas“ zwischen einer Langeweile erregenden Weitschweifigkeit und nichtssagenden Verkürzungen ansiedelten.

siehe auch http://sz.de/1.3780381